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Startseite | Programme und AktivitätenKinder- und JugendgesundheitForum "Gesundheitsförderung und Prävention bei Kindern und Jugendlichen"Gespräch Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Gröhe und Ju­gend­liche

Gespräch

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe mit Jugendlichen, Moderation Dr. Eckart von Hirschhausen
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Im Forum soll nicht nur über Jugendliche geredet werden, sondern auch mit ihnen. Eingeladen hierzu wurden drei Jugendliche, die sich in BZgA-Jugendaktionen für Prävention und Gesundheitsförderung engagieren: Paula Töpfer für die Jugendaktion „GUT DRAUF“, Henning Evers für die Aktion „Alkohol - Kenn dein Limit“ und Julia Schneider für die Mitmach-Initiative „Kinder stark machen“.

Moderator Eckart von Hirschhausen: Paula, Du bist Kurzzeitheldin bei der Jugendaktion GUT DRAUF. Was ist Deine Aufgabe?

Paula Töpfer: Bei GUT DRAUF vermitteln wir Kindern und Jugendlichen ein Gemeinschafsgefühl. Sie erleben, dass gemeinsames Kochen, gemeinsame bewegte Spiele etwas Schönes sind, das viel Spaß macht und womit es einem gut geht. Dazu veranstalten wir Klassenfahrten, Ferienfreizeiten und Projekttage. Wir - die  Kurzzeithelden von GUT DRAUF - führen die Angebote durch und werden hierfür eigens qualifiziert. Neben gesundem Essen und viel Bewegung zeigen wir Kindern und Jugendlichen Möglichkeiten, wie sie vom Stress runter kommen und sich entspannen können - zum Beispiel durch Träumen in einer Hängematte und das (Vor)Lesen von Geschichten.

Hermann Gröhe: Geht es dabei um das Abschalten vom hektischen Trubel in der Gemeinschaft oder mehr um Entspannung vom anstrengenden Schulalltag?

Paula Töpfer: Sowohl als auch, beides ist uns wichtig zu vermitteln. Kinder kommen durchaus auf mich zu, sagen wenn es ihnen zu stressig wird („ich kriege Kopfschmerzen“) und sie sich eine Auszeit wünschen. Dann spreche ich mit ihnen persönlich, wie man mit diesen Belastungen umgehen kann.

Moderator Eckart von Hirschhausen: Was war Deine Motivation, bei GUT DRAUF mitzumachen?

Paula Töpfer: Ich wurde durch meine Eltern geprägt, sie sind beide in diesem Bereich beruflich tätig.

Moderator Eckart von Hirschhausen: Ihr steht alle drei für den Peer-to-Peer-Ansatz.
Henning, wie läuft das bei „Kenn dein Limit“ ab, gehst Du einfach in Kneipen und sagst „Wisst Ihr eigentlich, dass das ganz schön gefährlich ist, was Ihr hier macht?“

Henning Evers: Nein, so einfach ist es nicht. Wir sind von Flensburg bis München 50 junge Menschen, die am Wochenende in größeren Städten, an Stränden oder bei Festivals unterwegs sind - eben überall da, wo wir Jugendliche treffen können. Wir versuchen, mit ihnen zum Thema Alkohol ins Gespräch zu kommen. Unser Hauptfokus richtet sich auf die Altersgruppe von 16 bis 20 Jahren.

Moderator Eckart von Hirschhausen: Wie kriegt Ihr das hin, dass Ihr nicht als Spielverderber rüber kommt?

Henning Evers: Unser Hauptvorteil ist, dass wir im selben Alter wie die Jugendlichen sind, mit denen wir sprechen. Außerdem bringen wir tolle Sachen mit, nicht nur Give-aways wie Kugelschreiber. Wir haben so ein kleines, digitales Flaschendrehspiel dabei, mit dem man gemeinsam mit den Jugendlichen durchaus ernste Fragen zum Thema Alkohol beantworten kann, die einen „Aha-Effekt“ bringen. Das funktioniert als Gesprächseinstieg sehr gut, und dann kann man weiter reden und die Jugendlichen nach ihrer Meinung und ihren Erfahrungen fragen. Es kommen viele zu uns, die trinken wenig oder gar keinen Alkohol, aber wir sprechen auch mit vielen, wo man hinterher hofft, dass die ihren Alkoholkonsum überdenken.

Hermann Gröhe: Was spielt die größere Rolle für die Gefährdung durch Alkohol, die Gleichaltrigen oder ein schlechtes Vorbild durch das Elternhaus?

Henning Evers: Wir kommen weniger über das elterliche Vorbild ins Gespräch, sondern mehr über das, was mit Freunden und in der Clique passiert. Wenn zum Beispiel fünf junge Männer auf uns zu kommen und einer sagt „Na klar kenn ich mein Limit“, dann wird schon deutlich, dass es um Cool-Sein unter Gleichaltrigen geht.

Moderator Eckart von Hirschhausen: Du bist unglaublich engagiert und machst sehr viel: bist AStA-Vorsitzender, engagierst Dich politisch als Parteimitglied, bist Rettungsschwimmer in der DLRG und obendrein noch Schlagzeuger.

Hermann Gröhe: Von solchen Jugendlichen, die Menschen vor dem Ertrinken retten, im AStA und einer demokratischen Partei mitarbeiten, brauchen wir mehr.

Moderator Eckart von Hirschhausen: Ihr steht hier stellvertretend für die engagierten Jugendlichen in Deutschland. Ganz viele von den Initiativen stehen vor dem Problem, dass sie es schwer haben, Jugendliche zu finden, die sich kontinuierlich engagieren. Erlebt Ihr das auch so, dass Ihr in Eurer Altersgruppe eher die Ausnahme seid als die Regel?

Julia Schneider: Ich bin ein junger Mensch, der mehrere Ehrenämter innehat, heute bin ich hier für das Projekt „Kinder stark machen“. Ich kenne viele andere, die das auch tun. Es gibt in Deutschland sehr viele engagierte junge Menschen, ich glaube aber, dass es tatsächlich immer weniger werden. Es wäre sehr wichtig - und dies ist mir ein Anliegen an den Minister - das Ehrenamt in Deutschland zu stärken. Ich merke gerade an mir selbst, dass es zum Beispiel sehr schwer ist, für das Internationale Deutsche Turnfest, an dem ich als Vorstandsmitglied der Deutschen Turnerjugend organisatorisch maßgeblich beteiligt bin, eine Freistellung von meinem Arbeitgeber zu erhalten. Hier würde ich mir Erleichterungen wünschen.

Hermann Gröhe: Ich finde es allemal berechtigt, dass wir uns dafür einsetzen, dass Arbeitgeber das Ehrenamt genügend würdigen und hier soll der Staat mit gutem Vorbild voran gehen. Ehrenamtliches Engagement zahlt sich in jedem Fall für junge Menschen aus, denn es bringt Lebenserfahrung und zeigt späteren Arbeitgebern, dass Du ein Mensch bist, der sich gut für andere oder eine Sache einsetzen kann. Solche Menschen brauchen wir.

Julia Schneider: Ich bin angehende Lehrerin, vielleicht kann hier der Staat tatsächlich was tun.

Hermann Gröhe: Da gebe ich gerne ab an die hier Anwesenden aus der Kultusministerkonferenz….

Moderator Eckart von Hirschhausen: …. sehr gut, genau so fängt Vernetzung an!
Julia, was ist das Besondere an Eurem Projekt?

Julia Schneider: Beim Projekt „Kinder stark machen“ geht es darum, Kinder davor zu bewahren, später in eine Sucht zu verfallen, also dass sie lernen, sich anders zu entspannen als mit Alkohol oder Zigaretten. Wir ermuntern sie dazu sich zu bewegen, aber vor allem darin, gemeinsam mit anderen Kindern und Jugendlichen tolle Erfahrungen zu machen. Uns geht es darum, alle zusammenzubringen, also Kinder mit und ohne Behinderungen, mit und ohne Migrationshintergrund usw. Gemeinsam erarbeiten sie etwas, bringen es auf die Bühne, stellen sich der Öffentlichkeit und stärken so ihr Selbstbewusstsein.
Der Sport kann das alles besonders gut leisten und sollte weiter gefördert werden. Über mehr Sport in Ganztagsschulen eröffnet sich die Möglichkeit, alle zu erreichen und nicht nur diejenigen, die sowieso von sich aus in einen Sportverein kommen. Sport kann für das Selbstbewusstsein und die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen sehr viel beitragen.

Moderator Eckart von Hirschhausen: Was sind Eure Anliegen aus der Praxis an den Minister, wo klemmt es?

Paula Töpfer: Das Bewusstsein für eine gesunde Lebensführung ist zwar mittlerweile in den Köpfen angekommen, es wird aber noch zu wenig umgesetzt, besonders unter den sozial Schwächeren. Kitas und Schulen sind ein guter Ort, um alle anzusprechen.

Hermann Gröhe: Wir müssen gerade die in den Blick nehmen, für die es nicht selbstverständlich ist und denen es nicht schon immer Spaß gemacht hat, gesund zu essen und sich viel zu bewegen. Bewegungsmuffel finden sich allerdings in allen Einkommensschichten.

Henning Evers: Ich würde mir wünschen, dass das Engagement, das wir leisten, von der Politik und der Gesellschaft wertgeschätzt wird. Unser Anliegen ist es, im Dialog und Gespräch mit allen Jugendlichen zu bleiben und es ist wichtig, dass Projekte wie die hier vorgestellten, weiterhin unterstützt werden.

Hermann Gröhe: Wichtig ist nicht nur die Wertschätzung. Wichtig ist außerdem, dass die Verantwortlichen in den diversen Gremien der GKV, die die Qualität von Maßnahmen festhalten und prüfen, auch auf Eure Erfahrungen aus der Praxis hören.

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