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Begrüßung und Einführung

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe
(Auszüge aus der Eröffnungsrede des Ministers)
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Mit dem heutigen Forum verbinden wir die Erwartung an eine stärkere Vernetzung aller Beteiligten, die im Feld Gesundheitsförderung und Prävention bei Kindern und Jugendlichen tätig sind. Die durch die Versäulung der Instanzen aufgebauten Mauern müssen abgebaut und stattdessen Brücken gebaut werden. Viele Gesetze dieser Legislaturperiode - allen voran das Präventionsgesetz - sind in erster Linie Vernetzungsgesetze. Sie haben zum Ziel, die Ausrichtungen der verschiedenen Berufe und Disziplinen zusammen zu bringen, um die ganze Gesundheitsentwicklung in den Blick zu nehmen.

„Jedes Kind teilt mit Milliarden anderen Kindern die Erde, aber mit keinem seine Einzigartigkeit“, dieses Zitat der Autorin Christa Schyboll macht deutlich, wie Kinder bestmöglich auf ihr Leben vorzubereiten sind.

Kinder- und Jugendgesundheit ist in dieser Legislaturperiode eines der Schwerpunkte im Bundesgesundheitsministerium. Aus gutem Grund haben Kinder und Jugendliche Ansprüche und Rechte und dazu gehört, dass sie in einer gesundheitsförderlichen Umgebung aufwachsen. Für die meisten unter ihnen ist Aufwachsen in Deutschland mit guten Bedingungen verbunden; doch gerade wenn es einer Gesellschaft gut geht, dürfen diejenigen, denen es nicht gut geht, nicht außer Acht gelassen werden. Dies betrifft derzeit besonders die vielen geflüchteten Kinder und Jugendlichen.

Aktuelle Förderschwerpunkte im Bereich Kindergesundheit sind Projekte zur Verbesserung der Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit seelischen und chronischen Erkrankungen, der Kinderschutz in der Medizin sowie Fragen einer zielgenauen Arzneimittelversorgung für Kinder und Jugendliche im Rahmen des aktuellen Gesetzgebungsverfahrens zur Stärkung der Arzneimittelversorgung in der GKV.

Ein nach wie vor schwerwiegendes Thema ist die Prävention von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen. 15 Prozent der 3- bis 17-Jährigen sind übergewichtig, wie die Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) gezeigt hat. Damit nehmen auch die damit verbundenen Folgeerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Gelenkschäden zu, nicht zu vergessen das seelische Leid für die Betroffenen.

Um den Herausforderungen zu begegnen, haben wir wichtige gesundheitsfördernde Maßnahmen auf den Weg gebracht. Zu nennen ist hier zum einen das Gesundheitsziel „Gesund aufwachsen“ des Kooperationsverbundes Gesundheitsziele, auf das das Präventionsgesetz in seiner Zielbeschreibung ausdrücklich Bezug nimmt, zum anderen den gemeinsam mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft initiierten „Nationalen Aktionsplan IN FORM - Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung“, mit dem seit 2008 über 200 Projekte zu einer gesunden Ernährung, mehr Bewegung und Stressbewältigung unterstützt wurden.

Nach mehreren Anläufen wurde 2015 das Präventionsgesetz verabschiedet, das vor allem eine gewinnbringende Verzahnung der gesundheitsförderlichen Maßnahmen der verschiedenen Akteure zum Ziel hat. Das Gesetz beschränkt sich keineswegs darauf, dass die Krankenkassen zusätzliche Leistungen übernehmen.

Prävention hat einen hohen Stellenwert für die Gesundheit. Viele chronische Erkrankungen sind zu einem großen Teil lebensstilbedingt und gehen mit starken gesundheitlichen Einschränkungen einher. Kluge Prävention bedeutet deshalb einen gewaltigen Zugewinn an Lebensqualität, wenn durch sie Krankheiten erst gar nicht entstehen bzw. der Krankheitsverlauf günstig beeinflusst wird. Zugleich leistet Prävention einen wichtigen Beitrag zu einem solidarischen Gesundheitswesen.

Die wichtigsten Ziele bzw. Neuerungen im Bereich Kinder- und Jugendgesundheit aus dem Präventionsgesetz sind:

  1. Die Ausweitung der bewährten Früherkennungsuntersuchungen:
    Diese sind nun möglich bis zum 18. Lebensjahr. Des Weiteren legen sie das Augenmerk nicht mehr nur auf den momentanen Behandlungsbedarf, sondern machen es möglich, im Sinne einer individuellen Risikoanalyse frühzeitig Verhaltensratschläge zu geben und zu einem gesundheitsbewussten Lebensstil anzustoßen. Seit dem 1. Januar 2017 bieten die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte das neu gestaltete Kinderuntersuchungsprogramm als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung an.
  2. Die Schaffung gesundheitsfördernder Lebenswelten:
    Ziel hierbei ist es, auch zum Abbau sozial bedingter Ungleichheit von Gesundheitschancen beizutragen. Ganz wichtig dabei ist der frühe Beginn der Prävention schon vor der Geburt, indem beispielsweise Schwangere dazu angehalten werden, auf Nikotin und Alkohol zu verzichten.
    In den Lebenswelten von Kindern geht es vor allem darum, dass Heranwachsende Spaß an Bewegung und gesundem Essen bekommen, nicht aber um das Lehren gesundheitsförderlichen Verhaltens mit dem erhobenen Zeigefinger. Durch den Ausbau der Ganztagsbetreuung in Kitas und Schulen wird ein gesundes Essensangebot zunehmend wichtiger. Die baulichen Voraussetzungen hierfür zu schaffen, stellt in der Praxis eine manchmal schwer zu lösende Aufgabe dar.
  3. Die Verbesserung der Impfquoten:
    Was die Impfquoten angeht, ist Deutschland beschämend weit hinten, es besteht ein erheblicher Aufklärungsbedarf. Bemerkenswert ist, dass die Impfraten nicht in Zusammenhang stehen mit Bildung, sozialem Stand oder Einkommen, vielmehr „halten sich Impfmythen in Villenvierteln noch hartnäckiger als in Wohnblocks“. Ursache hierfür ist eine übersteigerte Zivilisationskritik, die übersieht, dass wir durch die Möglichkeit des Impfens alle an Lebensalter und Lebensqualität gewonnen haben. Im Präventionsgesetz ist nun festgeschrieben, dass mit dem Eintritt in die Kita eine Feststellung des Impfstatus und eine Beratung der Eltern verpflichtend erfolgt sind.

Unabhängig vom Präventionsgesetz, aber dennoch für die Kinder- und Jugendgesundheit von großer Bedeutung ist das Thema Kinderarzneimittel. Hier gibt es noch erhebliche Versorgungslücken. Seitdem die gesetzliche Grundlage für pädiatrische Arzneimittelzulassungen geschaffen wurde, sind nur ganz wenige solcher Zulassungen beantragt worden. Eine bloße Anpassung der Medikamentendosis für Erwachsene an das Körpergewichtder Kinder wird dem kindlichen Stoffwechsel nicht gerecht.

Alarmierend ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Barmer Ersatzkasse, wonach 40 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen 9 und 19 Jahren Kopfschmerztabletten einnehmen. Hier besteht noch ein hoher Aufklärungsbedarf, denn oft ist es hilfreicher, dem Kind eher Bewegung an der frischen Luft zu verordnen, statt den vorschnellen Griff zur Pille zur Lebensgewohnheit zu machen. Kinderärzte und -ärztinnen sind aufgefordert, dem Wunsch von Eltern und Jugendlichen nach Verordnung stressvermeidender oder leistungssteigernder Mittel ein klares „Nein“ entgegenzusetzen.

Das heutige Forum darf keine Eintagsfliege bleiben. Es soll der Startschuss sein, um - gemeinsam mit Ihnen allen - eine dauerhafte Plattform für den Austausch und die Vernetzung im Bereich Kinder- und Jugendgesundheit zu etablieren.

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