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Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2011.

Teilband Computerspielen und Internetnutzung

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minus Steckbrief

Steckbrief

Berichtstitel

Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2011.
Teilband Computerspielen und Internetnutzung

Ziele

Langfristig angelegte Untersuchung des Konsums, der Konsummotive und der situativen Bedingungen des Gebrauchs von Alkohol, Tabak und illegalen Rauschmitteln. In 2011 außerdem die Untersuchung des Computerspielens und der Internetnutzung sowie exzessiven Computerspielens bzw. exzessiver Internetnutzung.

Untersuchungsmethodik

Wiederholte Repräsentativbefragung der 12- bis 25-jährigen Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland in mehrjährigen Abständen

Verfahren der Datenerhebung

Computergestützte Telefoninterviews (CATI)

Auswahlverfahren

Mehrstufige Zufallsstichprobe auf Basis des ADM-Telefonstichproben-Systems (Computergenerierte Zufallstelefon-nummern, Zufallsauswahl von 12- bis 25-Jährigen im Haushalt)
Ausschöpfung: 60,9%
Stichprobengröße: 5.001 Befragte

Befragungszeitraum

28. März bis 18. Mai 2011

Interview­programmierung, Stichproben­beziehung und Daten­erhebung

forsa.
Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH

Studienplanung, Daten­analyse und Bericht­erstattung

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln
Referat 2-25
Boris Orth und Jürgen Töppich


minus Zusammenfassung

Glücksspiele sind Spiele, bei denen der Spielerfolg ganz oder überwiegend vom Zufall bestimmt ist und nicht durch die Kompetenz oder das Wissen der daran Teilnehmenden. Rechtlich unterscheiden sich Glücksspiele von Gewinnspielen dadurch, dass bei letzteren für den Erwerb einer Gewinnchance in der Regel kein Entgelt verlangt wird. Auch Wetten gegen Entgelt auf den Eintritt oder Ausgang eines zukünftigen Ereignisses sind Glücksspiele (Glücksspielstaatsvertrag [GlüStV]; Bahr 2007). In Deutschland wird rechtlich und anhand der jeweiligen Spielmerkmale zwischen Glücksspielen und Spielgeräten mit Geldgewinnmöglichkeit (GSG) unterschieden. Während bei ersteren die Zuständigkeit bei den Ländern liegt (§ 284 StGB, GlüStV), ist sie bei letzteren in Bundeskompetenz (§ 33 c-i, 60a, §§ 144, 145, 148 GewO, SpielV, SpielVwV).

Die Teilnahme an Glücksspielen in Deutschland ist weit verbreitet und in mehreren repräsentativen bundesweiten Befragungen mittlerweile gut dokumentiert. Die Studien kommen zu dem Ergebnis, dass zwischen ca. 39 % und 55 % der Bevölkerung in Deutschland im der jeweiligen Befragung vorausgegangenen Jahreszeitraum an mindestens einer Glücksspielform teilgenommen haben (Bühringer, Kraus, Sonntag et al., 2007, Buth & Stöver, 2008, BZgA, 2008, 2010, 2012, Kraus, Sassen, Pabst
& Bühringer, 2010, Meyer, Rumpf, Kreuzer et al., 2011). Auch für das Nachbarland Österreich wurde mit 42 % eine Quote innerhalb dieses Bereiches ermittelt (Kalke, Buth, Rosenkranz et al., 2011).

Die Attraktivität des Glücksspiels zeigt sich auch in weiterhin hohen Umsatzzahlen, wenngleich der Glücksspielmarkt insgesamt rückläufig ist. Nach Meyer (2013) belief sich im Jahr 2011 der Gesamtumsatz des deutschen (legalen) Glücksspielmarkts auf ca. 32,5 Mrd. Euro, was gegenüber dem Vorjahr, nach einem mehrjährigen Rückgang, einen Zuwachs von 3,2 % darstellt. Während die staatlichen Einnahmen aus Glücksspielen knapp 3,02 Mrd. Euro betrugen, was gegenüber dem Vorjahr ein Plus um 0,9 % bedeutet, legte der erwirtschaftete Bruttospielertrag der Aufsteller von gewerblichen Geldspielautomaten noch einmal auf gut 4,1 Mrd. Euro zu (+5,0 %). Für das Jahr 2012 lässt sich aus einer anderen Quelle ein weiterer Anstieg auf 4,4 Mrd. Euro angeben (Goldmedia, 2013). Diese Entwicklung korrespondiert mit einer Zunahme der Gesamtzahl der aufgestellten Geräte und der Konzessionen für Spielhallen. Umsätze von Glücksspielen im Internet unterlagen bis zum Glücksspieländerungsstaatsvertrag (GlÄndStV) 2012 ebenfalls keinen staatlichen Kontrollen, da diese Spiele in Deutschland bis dahin verboten waren. Nur ein Teil dieser Spiele ist mittlerweile durch den GlÄndStV legalisiert. So können u. a. die beiden DLTB (Deutscher Lottound Toto Block)-Produkte Lotto „6 aus 49“ und der 2012 neu eingeführte Eurojackpot seit 2012 legal über Internet gespielt werden. Für Sportwetten sind dagegen gesonderte Konzessionen zu erwerben; bis zu 20 sollen vergeben werden. Auf die gesetztliche Sonderregulierung in Schleswig-Holstein und die hiermit verbundenen rechtlichen Problematiken wird in diesem Bericht nicht eingegangen.

Für die illegalen Glücksspielangebote im Internet und in Wettbüros liegen in Deutschland nur Schätzungen vor. Für 2012 wurde im sogenannten unregulierten Markt ein Bruttospielertrag (Spieleinsätze minus Gewinnauszahlungen) bei Online-Spielen von ca. 1 Mrd. Euro angenommen. Da dieses auf bisher knapp 30 % jährlichen Wachstumsraten basiert, kann von einer auch weiterhin steigenden Tendenz dieses zumeist vom Ausland aus kontrollierten (im Wettbereich zu über 90 %) Glücksspielmarktbereiches ausgegangen werden (Goldmedia, 2013). Die größten Anteile stellen dabei, in abnehmender Reihenfolge, Online-Casinospiele, Online-Sportwetten und Online-Poker. Bei Online-Poker steht Deutschland in der EU bei der Marktgröße mit knapp 392 Mio. US-Dollar an der Spitze, weltweit bedeutet dies nach den USA Platz 2. Online-Sportwetten machen der Goldmedia-Studie zufolge 37% des unregulierten Marktes aus.

Während für einen Großteil der Bevölkerung das Glücksspiel mit Spaß, Stimulation und Zeitvertreib verbunden ist und das Geld kontrolliert eingesetzt wird, kommt es bei einer kleinen Minderheit als Folge exzessiven Spielens zu schwerwiegenden Problemen psychischer, sozialer oder finanzieller Art bis hin zur Glücksspielsucht3. Bei fortgeschrittener Symptomatik sind oft auch Angehörige mitbetroffen (Petry, 2005). Da es den Betroffenen häufig gelingt, ihre Abhängigkeitserkrankung u. U. über mehrere Jahre geheim zu halten und diese somit häufig erst spät erkannt wird, spricht man auch von verborgener Sucht (vgl. Hayer & Meyer, 2008).

Unter Pathologischem Glücksspielverhalten (PG) lässt sich ein Syndrom psychopathologischer Störungen auf der Verhaltens-, kognitiven und emotionalen Ebene verstehen, welches in den beiden bisher verbreiteten Klassifikationssystemen DSM-IV-TR (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Version IV, Text Revised, zur deutschen Bearbeitung siehe Saß, Wittchen, Zaudig & Houben, 2003) und ICD-10 (International Classification of Diseases, Version 10 (siehe Dilling, Mombour
& Schmidt, 2005) relativ ähnlich beschrieben wurde. Aufgrund der Erkenntnis, dass Glücksspielsucht in ätiologischer, phänomenologischer und neurobiologischer Hinsicht Ähnlichkeiten mit substanzgebundenen Süchten aufweist, ist nach den im Mai 2013 erschienenen DSM-V-Kriterien (APPI, 2013) die Einordnung des pathologischen Glücksspiels nicht länger als Störung der Impulskontrolle erfolgt, sondern wurde in die Kategorie der Verhaltenssüchte aufgenommen. Auch die WHO wird in der voraussichtlich 2015 erscheinenden 11. Ausgabe der International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems (ICD) analog verfahren.

PG ist ein andauerndes und wiederkehrendes, fehlangepasstes Spielverhalten, das zumindest fünf von 10 diagnostischen Kriterien erfüllen muss. Die Kriterien beziehen sich auf glücksspielbedingte psychopathologische Symptome sowohl auf der Verhaltensebene als auch auf der kognitiven und emotionalen Ebene. Für eine Diagnose PG sind differentialdiagnostisch auszuschließen 1) Personen mit soziopathischer Persönlichkeit (was als Symptom einer anderen Störung aufgefasst wird), 2) das Vorliegen einer manischen Episode und 3) eine weiterhin bestehende Steuerungsfähigkeit einer (auch exzessiv spielenden) Person, ihr mit negativen Auswirkungen verbundenes Spielverhalten aus eigener Kraft einzuschränken.

Glücksspielsüchtige lassen sich unter anderem dadurch kennzeichnen, dass sie vom Glücksspiel stark eingenommen sind, mit immer höheren Einsätzen spielen, dass sie spielen, um Problemen zu entkommen, dass sie versuchen, erlittene Verluste durch erneutes Glücksspiel auszugleichen, dass sie andere Menschen wegen ihres Glücksspiels belügen, zur Geldbeschaffung illegale Handlungen begehen oder wichtige soziale Beziehungen gefährden (Saß, Wittchen, Zaudig et al., 2003). Nach Meyer und Bachmann (2011) ist das Suchtstadium unter anderem durch Kontrollverlust, exzessives Spielen und Geldbeschaffung, Spielen trotz schädlicher Folgen, Straftaten, Schuldgefühlen, Persönlichkeitsveränderungen und sozialen Abstieg gekennzeichnet.

Von pathologischem Glücksspielverhalten werden diagnostisch häufig problematisches und auffälliges Glücksspielverhalten abgegrenzt. Diese Klassifizierungen sind durch einen moderateren bzw. geringeren Schweregrad der Symptome gekennzeichnet und können dem pathologischen Stadium vorausgehen. Implizit wird damit ein Prozessmodell zugrunde gelegt, nach dem sich aus einer zunächst nur leichten Symptomatik bei fortgesetztem bzw. intensiviertem Glücksspiel eine schwere Symptomatik entwickeln kann.

Zur Erklärung der Entstehung und / oder Aufrechterhaltung von Glücksspielsucht wird häufig ein multifaktorielles Erklärungsmodell herangezogen, ohne dass jedoch eine konsistente und die verschiedenen Faktoren integrierende Theorie vorgelegt wurde (vgl. z. B. DHS, 2013, Johannsson, Grant, Kim et al., 2009, Meyer und Bachmann, 2011, Petry, 2005, Sonntag, 2006, Welte et al., 2004). Unter den soziodemographischen Faktoren fand sich für männliches Geschlecht, geringen Bildungsstand und Migrationshintergrund ein positiver Zusammenhang (BZgA, 2012). Zudem sind dispositionale Faktoren wie ‚Sensation Seeking’ oder Impulsivität und kognitive Faktoren wie Kontrollillusionen mit der Entstehung von Glücksspielsucht in Verbindung gebracht worden (DHS, 2013). Auch genetische, ungünstige soziale Einflüsse durch Familie oder Peers sowie in jüngerer Zeit auch neurowissenschaftliche Befunde spielen eine Rolle (Meyer & Bachmann, 2011, Mörsen, Heinz, Bühler & Mann, 2011). Da viele dieser Einflussfaktoren auch im Zusammenhang mit stoffgebundenen Süchten gefunden werden konnten, sind Komorbiditäten wie Alkoholabhängigkeit oder psychische Störungen auch bei Glücksspielsüchtigen verbreitet (zur Übersicht siehe Lorains, Cowlishaw & Thomas, 2011). Bei annähernd drei von vier Glücksspielabhängigen scheint mindestens eine Komorbidität vor dem pathologischen Glücksspielstadium begonnen zu haben (Kessler, Hwang, LaBrie et al., 2008, Premper
& Schulz, 2008).

Nach den zu Beginn dieses Kapitels genannten Repräsentativerhebungen lassen sich jeweils zwischen ca. 0,2 % und ca. 0,6 % der erwachsenen Personen in Deutschland als problematische bzw. pathologische Glücksspieler klassifizieren. Legt man die Daten des letzten Glücksspiel-Surveys der BZgA zugrunde (BZgA, 2012), würde dies, hochgerechnet auf die 16bis 65-jährige Bevölkerung in Deutschland, 208 bis 351 Tsd. problematisch und 191 bis 339 Tsd. pathologisch glücksspielenden Personen entsprechen (95%-Konfidenzintervalle, siehe Glossar). Im internationalen Vergleich hat sich gezeigt, dass die Epidemiologie der Glücksspielsucht in Deutschland am unteren Bereich der Spannweite der Daten aus weiteren europäischen Ländern liegt.

Studien aus dem angloamerikanischen Sprachraum haben Anzeichen für einen Zusammenhang zwischen der Ausweitung der Angebotsstruktur von Glücksspielen und steigendem Konsum dieser Glücksspiele einerseits sowie einer Zunahme der Problemspieleranteile andererseits ergeben (z. B. Petry, 2005, LaPlante & Shaffer, 2007, vgl. zusammenfassend Meyer, 2009). Einzelne Glücksspiele scheinen dabei unterschiedlich stark mit Glücksspielsucht assoziiert zu sein. Während sich bei Lotterien vergleichsweise geringe Risiken für Glücksspielproblematiken ergeben haben, sind relativ deutliche Zusammenhänge bei „Risikospielen“ wie Geldspielautomaten, Casinospielen, Glücksspielen im Internet und Sportwetten gefunden worden (siehe u. a. Grüsser, Plöntzke, Albrecht, et al., 2007, Hayer & Meyer, 2003, Hayer, 2010, Hayer, Bachmann & Meyer, 2005, Kalke, Farnbacher, Verthein & Haasen, 2006, Meyer & Hayer, 2005, 2010, Sonntag, 2005, 2006, Stöver, 2006, Welte et al., 2009). Pathologische Spieler in Deutschland, die Geldspielautomaten als Hauptproblem ihrer Glücksspielsucht ansehen, werden als die mit Abstand größte Gruppe im Vergleich zu anderen Glücksspielformen eingeschätzt (Becker, 2009). Daten aus Behandlungseinrichtungen ergeben, dass annähernd vier von fünf Hilfe aufsuchenden Glücksspielern Geldspielautomaten als Hauptursache für ihre Spielproblematiken angaben. Als besonders riskante Merkmale dieser Glücksspielform gelten dabei u. a. eine hohe Ereignisfrequenz, eine geringe Zeitspanne zwischen Spieleinsatz und Ergebnisrückmeldung, das Auftreten von Fastgewinnen und die Suggestion, dass Kompetenz bzw. Wissen des Glücksspielers den Spielausgang maßgeblich beeinflussen kann6. Zudem scheint auch die Anzahl der insgesamt gespielten Glücksspiele mit dem Ausmaß glücksspielassoziierter Belastungen assoziiert zu sein (LaPlante, Nelson, LaBrie & Shaffer, 2009, BZgA, 2012).

Glücksspielbedingte Probleme werden zumeist mit Erwachsenenverhalten verbunden. Internationale Studien und Studien zum Glücksspielverhalten in Deutschland machen jedoch darauf aufmerksam, dass die Teilnahme an Glücksspielen auch unter Jugendlichen verbreitet ist.

Besondere Beachtung muss in diesem Zusammenhang das Glücksspielangebot über die sogenannten „neuen Medien“ finden. Jugendliche sind im Umgang mit diesen zumeist versiert und daher auch in steigendem Maße mit Glücksspielangeboten im Internet konfrontiert. So hatten in Deutschland im Jahr 2012 alle Jugendlichen zwischen und 12 und 19 Jahren im Haushalt Zugang zu einem Computer mit Internetzugang, 87 % verfügten über einen eigenen Internetzugang. 91 % nutzten das Internet mehrmals pro Woche bis täglich. Die Bedeutung des Internets nimmt ab einem Alter von 12 Jahren bis zu einem Alter von 16 Jahren stetig zu, um dann auf hohem Niveau annähernd konstant zu blieben (Befragtenanteil wichtig/sehr wichtig: ca. 93 %). 47 % der Jugendlichen besaßen 2012 ein eigenes Smartphone, 40 % nutzten auch mobil regelmäßig das Internet. Diese Anteile sind gegenüber den Vorjahreserhebungen ansteigend, was sowohl auf das attraktiver gewordene Angebot mobiler Anwendungen (Apps) wie auch auf gesunkene Kosten der Online-Nutzung zurückgeführt wird (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, 2012).

Um schädliche Folgen des Glücksspiels, insbesondere für Jugendliche und junge Erwachsene, sowie auch betrügerische Manipulationen zu verhindern, dürfen in Deutschland Glücksspiele schon seit langem nur unter Aufsicht und Kontrolle des Staates durchgeführt werden. 2004 wurde der Lotteriestaatsvertrag (LottStV) abgeschlossen, was als erster Versuch angesehen werden kann, die heterogenen landesrechtlichen Regelungen zum Lotterieund Sportwettenbereich durch die Vorgabe gemeinsamer Rahmenbedingungen einzuschränken. 2008 trat der erste bundesweite Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) in Deutschland zur Regelung des unter der Hoheit der Länder stehenden Glücksspielbereichs in Kraft.

Das Staatsmonopol stellt zwar eine Einschränkung des Grundrechts auf Berufsfreiheit dar; diese Einschränkung wurde jedoch als gerechtfertigt angesehen, wenn das Staatsmonopol konsequent am Ziel der Bekämpfung von Suchtgefahren ausgerichtet ist (BVerfG, 1 BvR 1054/01 vom 28. März 2006). In seinem Urteil vom 8. September 2010 hat jedoch der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden, dass der Glücksspielstaatsvertrag dahingehend unzulässig war, als dass die mangelnde Kohärenz beim Sportwettenmonopol in benanntem staatlichen Monopolsystem mit dem europäischen Dienstleistungsverkehr nicht vereinbar war. Im Dezember 2011 haben sich daher die Ministerpräsidenten der Länder, zum damaligen Zeitpunkt mit Ausnahme des Bundeslandes Schleswig-Holstein, auf neue bundesweit gültige Glücksspielregelungen geeinigt, die im sogenannten Glücksspieländerungsstaatsvertrag (GlüÄndStV) festgelegt sind. Dieser trat am 1.7.2012 in Kraft, und auch das Kabinett in Schleswig-Holstein hat am 24.7.2012 beschlossen, diesem beizutreten.

Im GlüÄndStV sind seit dem 1.7.2012 bundesweit in begrenztem Maß Glücksspiele im Internet zugelassen. Das bedeutet, dass es in der Zeit vom 1.1.2008 (Inkrafttreten des ersten Glücksspielstaatsvertrages) bis zu diesem Datum in Deutschland kein legales Glücksspielangebot im Internet gab. Mit dem GlüÄndStV ist zum einen der Erwerb von bis zu 20 Konzessionen für private Sportwettenanbieter möglich, die es diesen erlauben, über einen Zeitraum von zunächst sieben Jahren Sportwetten im Internet legal anzubieten. Für jedes Bundesland steht eine bestimmte Anzahl an Lizenzen zur Verfügung. Die Umsätze sind pauschal mit 5 % zu versteuern. Zum anderen sind auch Lotterieangebote des DLTB im Internet spielbar, so das Lottospiel „6 aus 49“, die Glücksspirale, Keno und Eurojackpot. Mit dieser Angebotserweiterung ist die Erwartung verbunden, „die natürlichen Spielbedürfnisse der Bevölkerung in geregelte und legale Bahnen“ zu lenken. Ob dies gelingt und Spieler bei bisher vom Ausland aus operierenden Lottoanbietern zum in Deutschland mittlerweile legal online angebotenen Lottospiel wechseln werden, muss sich erst noch zeigen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es für die Konsumenten von Online-Glücksspielen durch die gesonderten Glücksspielregelungen im Bundesland Schleswig-Holstein eher schwieriger geworden ist, zwischen legalen und illegalen Angeboten zu unterscheiden.

Aufgrund der mit dem Spielen an Geldspielgeräten verbundenen Risiken sind für die Betreiber dieser Geräte seit 2011 Einschränkungen erfolgt. So sind Mehrfachkonzessionen verboten, die Gerätezahl pro Spielhalle ist begrenzt und die Öffnungszeiten sind eingeschränkt worden. Zudem müssen Spielorte eine Mindestentfernung zueinander einhalten und dürfen nicht in räumlicher Nähe von Kinderoder Jugendeinrichtungen liegen. Näheres regeln die Ausführungsbestimmungen der einzelnen Bundesländer.

Ergänzend zu den Maßnahmen auf Länderebene hat der DLTB im Jahr 2007 einen Kooperationsvertrag mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) geschlossen. Aufgabe der BZgA war die Entwicklung und Durchführung einer bundesweiten Dachkampagne zur Prävention von Glücksspielsucht mit verschiedenen Aktionsbereichen. Die BZgA hat als einen der Aktionsbereiche der Dachkampagne im Jahr 2013 die nunmehr vierte bevölkerungsweite Repräsentativbefragung zum Glücksspielverhalten sowie zu glücksspielbezogenen Einstellungen und Problemen in Deutschland durchgeführt. Ziel dieser Wiederholungsbefragungen ist es u. a., im Sinne eines Monitorings die Verbreitung einzelner Glücksspielformen sowie evtl. erfolgte Veränderungen im Glücksspielverhalten sowie damit evtl. assoziierte Belastungen in der Bevölkerung fortlaufend zu erfassen (vgl. im Einzelnen hierzu BZgA, 2010, S. 9f.).

Der vorliegende Bericht gibt die Ergebnisse der Befragung 2013 wieder und stellt diese in Form von Trenduntersuchungen in einen Zusammenhang mit den drei vorangegangenen Surveys. Fragestellungen und Durchführung lehnen sich dabei weitgehend an die Untersuchungen der Vorjahre an, auch die Auswahl der Zielgruppe (Bevölkerung von 16 bis 65 Jahre) bleibt unverändert. Da zum einen die Forschungslage in Deutschland zum Glücksspielverhalten Adoleszenter immer noch defizitär ist, zum anderen auch junge Erwachsene aus suchtpräventiver Sicht besondere Aufmerksamkeit verdienen, wird seit der dritten Erhebung der BZgA zum Glücksspielverhalten im Jahr 2011 die Bevölkerungsgruppe der 16bis 25-Jährigen in höherer Anzahl bei der Konzeption der Stichprobe berücksichtigt als dies nach der amtlichen Bevölkerungsstatistik notwendig wäre (disproportionale Stichprobenziehung, n = 4.000). Damit ist es möglich, differenziertere und belastbarere Aussagen über diesen Bevölkerungsteil zu treffen.

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Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist eine Fachbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit.