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Infektionsschutz - Einstellungen, Wissen und Verhalten von Erwachsenen und Eltern gegenüber Impfungen

Ergebnisse der Repräsentativbefragung 2016 zum Infektionsschutz

Ergebnisse

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minus Steckbrief

Steckbrief

Projekttitel

Einstellungen, Wissen und Verhalten von Erwachsenen und Eltern gegenüber Impfungen - Ergebnisse der Repräsentativbefragung 2016 zum Infektionsschutz

Ziele

Ermittlung von Daten als Grundlage für eine zielgerichtete Weiterentwicklung und Planung künftiger Maßnahmen der BZgA zur Steigerung der Durchimpfungsrate in der Bevölkerung
Ermittlung des Kenntnisstands sowie Identifikation von Impfhindernissen und möglichen Vorbehalten gegenüber dem Impfen im Kindesalter
Evaluierung bestehender Maßnahmen und Aktivitäten

Untersuchungsmethodik

In mehrjährigen Abständen wiederholte deutschlandweite Repräsentativbefragung der 16- bis einschließlich 85-jährigen Bevölkerung

Verfahren der Datenerhebung

Computergestützte Telefoninterviews (CATI)

Ausschöpfung

49,1 % (Festnetzstichprobe) und 38,4 % (Mobiltelefonstichprobe)

Stichprobengröße

5.012 Befragte

Befragungszeitraum

26. Juli bis 18. September 2016

Interview­programmierung, Stichproben­beziehung, Daten­erhebung , Gewichtung

forsa. Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH

Studienplanung, Daten­analyse und Bericht­erstattung

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln
Referat 1-11
Autoren: Nina Horstkötter, Ute Müller, PD Dr. Oliver Ommen, Anna Platte, Dr. Britta Reckendrees, Volker Stander, Peter Lang, Dr. Heidrun M. Thaiss


minus Zusammenfassung

Ziel der vorliegenden, bundesweiten Repräsentativbefragung war es, das Wissen, die Einstellung und das Verhalten der Bevölkerung im Alter von 16 bis 85 Jahren zum Thema Infektionsschutz zu ermitteln.

Ein Schwerpunkt der Befragung lag bei den Schutzimpfungen als präventive Maßnahme zur Vermeidung von Infektionen im Erwachsenenalter. Neben dem Impfverhalten und der generellen Impfbereitschaft sollten auch Impfhindernisse und mögliche Vorbehalte gegenüber Impfungen identifiziert werden.

Ein zweiter Schwerpunkt der vorliegenden Untersuchung waren Impfungen  im Kindesalter. Hierzu wurden die Einstellungen der Eltern 0- bis 13-jähriger Kinder zum Thema Impfungen im Kindesalter differenziert erfasst. Ziel war es, mögliche Faktoren zu identifizieren, die Eltern davon abhalten, die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) für Impfungen im Säuglings- und Kindesalter umzusetzen. Zudem wurden das Informationsverhalten und die bevorzugten Kommunikationskanäle der Mütter und Väter zum Thema Impfen von Kindern sowie der Stellenwert der Ärzteschaft in der Impfaufklärung der Eltern beleuchtet.

IMPFUNGEN IM ERWACHSENENALTER

Einstellungen zu Schutzimpfungen und Impfempfehlungen

Schutzimpfungen für Erwachsene werden von einem großen Teil der Bevölkerung als wichtig eingestuft. Insbesondere gilt dies für die Impfungen gegen Tetanus, Kinderlähmung und Hepatitis B. Ostdeutsche bewerten fast alle Schutzimpfungen häufiger als wichtig als Befragte aus den alten Bundesländern.

Gut drei Viertel der 16- bis 85-Jährigen bezeichnen sich selbst als Impfbefürworter. Knapp ein Fünftel hat teilweise Vorbehalte. Fünf Prozent haben eine „(eher) ablehnende“ Haltung gegenüber dem Impfen. Im Vergleich zur Untersuchung 2014 ist der Anteil derjenigen, die Impfungen befürwortend gegenüberstehen, signifikant gestiegen.

Durchgeführte Impfungen in den letzten fünf Jahren (Selbstauskünfte)

Mehr als zwei Drittel der Befragten geben an, dass sie in den vergangenen fünf Jahren mindestens eine Impfung erhalten haben. Am häufigsten erinnern sich die Befragten an Impfungen gegen Tetanus und saisonale Grippe. Jüngere Befragte im Alter zwischen 16 und 20 Jahren, Befragte mit höherem Schulabschluss sowie jene mit einer generell positiven Einstellung gegenüber dem Impfen geben überdurchschnittlich häufig an, in den letzten fünf Jahren geimpft worden zu sein.

Masernimpfung

Seit Juli 2010 gibt es eine Impfempfehlung gegen Masern für Personen, die nach 1970 geboren wurden. Ein Viertel der Betroffenen hat schon von dieser Empfehlung gehört. Dieser Wert hat sich gegenüber der Untersuchung aus dem Jahr 2014 nicht signifikant verändert. Wissensdefizite sind das am häufigsten genannte Hindernis für die Inanspruchnahme einer Masernimpfung.

Impfung gegen saisonale Grippe

Die jährliche Impfung gegen saisonale Grippe wird insbesondere älteren Menschen ab 60 Jahren, chronisch Kranken jeden Alters, medizinischem Personal sowie Frauen, die während des Winterhalbjahrs schwanger sind, empfohlen. Hier ist der Anteil derjenigen, die die Impfung gegen saisonale Grippe insgesamt als „(besonders) wichtig“ einschätzen, im Vergleich zur Vorgängerbefragung 2014 signifikant gesunken von insgesamt 56 auf 47 Prozent. Gut zwei Fünftel der chronisch kranken Personen und knapp die Hälfte der Senioren setzten diese Empfehlung um. Von den Personen, die im medizinischen Bereich mit Patientenkontakt tätig sind, gibt hingegen nur gut ein Viertel an, sich an diese Empfehlung gehalten zu haben. Als Hauptgründe für den Verzicht auf die Impfung gegen saisonale Grippe werden Zweifel an der Wirksamkeit der Impfung und der Schwere einer möglichen Grippeerkrankung genannt.

Impfanlässe und -hindernisse

Häufigster Anlass für die Inanspruchnahme einer Impfung war der Rat oder Hinweis einer anderen Person, in der Regel einer Ärztin bzw. eines Arztes. Bei jüngeren Menschen sind auch Familienangehörige entscheidende Ratgeber. Eine Reise oder berufliche Gründe waren für gut ein Drittel schon einmal Anlass, sich impfen zu lassen.

Etwas mehr als ein Viertel der Befragten hat in den letzten Jahren eine oder mehrere anstehende Impfungen nicht durchführen lassen, am häufigsten deshalb, weil Impftermine verpasst oder vergessen wurden, aus Angst vor Nebenwirkungen der Impfung, weil der Verlauf der Krankheit, gegen die geimpft werden sollte, als nicht schwer eingeschätzt wurde oder weil es zu zeitaufwändig erschien.

Informationen und Beratung zum Impfen

Gut ein Viertel der Befragten hat sich in den letzten zwei Jahren zu Impfungen für Erwachsene beraten lassen. Die Beratung erfolgte fast ausschließlich durch eine Ärztin oder einen Arzt, in der Regel durch Allgemeinmediziner. Die Schlüsselrolle der Ärzteschaft unterstreichen auch die Antworten auf die Frage, welche Möglichkeiten als geeignet angesehen werden, um sich über Impfungen zu informieren. Hier wird in allen betrachteten Bevölkerungsgruppen mit Abstand am häufigsten ein persönliches Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin genannt.

Wissen zu Schutzimpfungen

Die Befragten nehmen den eigenen Informationsstand zum Thema Impfen subjektiv sehr unterschiedlich wahr: Etwas mehr als die Hälfte stuft sich als sehr gut oder gut informiert ein, knapp die Hälfte fühlt sich weniger gut oder schlecht informiert. Jeder Vierte hätte gern weitere Informationen, ganz besonders zur Dauer der Schutzwirkung von Impfungen.

Wissensdefizite zeigen sich beim Thema Auffrisch- und Wiederholungsimpfungen. Gegen welche Erkrankungen wiederholt geimpft werden muss, um sicher geschützt zu sein, ist nur in Bezug auf Tetanus einer Mehrheit der Bevölkerung bekannt.

Impfpass

90 Prozent der Befragten geben an, einen Impfpass zu besitzen. Allerdings weiß knapp ein Viertel der Impfpassbesitzer nicht genau, wo sich dieser befindet.

IMPFUNGEN IM KINDESALTER

Einstellungen zu Schutzimpfungen

Die überwiegende Mehrheit der Eltern ist dem Impfen gegenüber positiv eingestellt. Gut vier Fünftel bezeichnen sich selbst als Impfbefürworter. 15 Prozent haben teilweise Vorbehalte. Zwei Prozent haben eine „(eher) ablehnende“ Haltung gegenüber dem Impfen.

Nahezu alle befragten Eltern meinen, dass ihr Kind auf jeden Fall gegen Tetanus, Kinderlähmung, Masern, Röteln und Mumps geimpft werden sollte. Auch gegen Keuchhusten, Diphtherie, Meningokokken, Hepatitis B und Windpocken sollte aus Sicht der meisten Eltern geimpft werden. Jeweils rund drei Viertel der Eltern geben an, dass ihr Kind auf jeden Fall gegen HPV und Pneumokokken geimpft werden sollte.

Grundsätzlich ist es fast allen Eltern wichtig, dass ihr Kind möglichst gut gegen ansteckende Krankheiten geschützt ist. Nur wenige Eltern glauben, dass Nebenwirkungen, die ärztlich behandelt werden müssen, oder gar bleibende Schäden oft als Folge von Schutzimpfungen auftreten.

Einschätzung der Gefährlichkeit von impfpräventablen Erkrankungen

Die Analyse der Risikobewertung von Infektionskrankheiten zeigt, dass die impfpräventablen Erkrankungen, mit Ausnahme von Windpocken, von einer Mehrheit der Eltern als gefährlich eingeschätzt werden. Im besonderen Maße gilt dies für Tetanus und Kinderlähmung.

Impfhindernisse

Als häufigstes Motiv für die Ablehnung einzelner Impfungen nennen die befragten Eltern den angegriffenen Gesundheitszustand ihres Kindes bzw. Infekte zum Impfzeitpunkt.

Ein Fünftel gibt an, ein Arzt oder eine Ärztin hätte ihnen von der Impfung abgeraten.

Auch Gründe, die auf gewisse Impfvorbehalte hinweisen, werden von einigen Eltern als Grund für eine nicht wahrgenommene Impfung genannt: Sie befürchten etwa eine zu starke körperliche Belastung des Kindes (15 %), schätzen die Impfung als unnötig ein (13 %) oder haben Angst vor möglichen Nebenwirkungen (10 %).

Dagegen werden nur vergleichsweise selten das Vergessen (9 %) oder zeitliche bzw. organisatorische Gründe (3 %) für das Auslassen einer Impfung aufgeführt.

Wissen zu Impfungen im Kindesalter, bevorzugte Informationsquellen und Impfberatung

86 Prozent der Eltern fühlen sich sehr gut oder gut über Kinderimpfungen informiert. 13 Prozent bezeichnen ihren Informationsstand als eher schlecht.

Die Ergebnisse der Befragung belegen die zentrale Rolle der Ärzteschaft als Ansprechpartner der Eltern zum Thema Impfen. Nahezu alle Eltern haben eine feste Arztpraxis, die sie zur Behandlung ihres Kindes aufsuchen, in der Mehrheit handelt es sich um eine Kinderarztpraxis. 92 Prozent der Kinder werden mindestens einmal im Jahr bei einer Ärztin oder einem Arzt vorgestellt.

Als Informationsquelle halten nahezu alle Eltern das persönliche Gespräch mit der Ärztin bzw. dem Arzt für geeignet.

Eltern, die vor der letzten Impfung ihres Kindes in einem Aufklärungsgespräch über den Nutzen und die Risiken der empfohlenen Impfung beraten wurden, äußern sich nahezu durchweg positiv darüber. Allerdings gibt gut ein Fünftel an, eine solche ärztliche Beratung vor der letzten Impfung nicht erhalten zu haben.

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