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Forschung

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Studien

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Glücksspielverhalten und Glücksspielsucht in Deutschland

Ergebnisse des Surveys 2017 und Trends

Ergebnisse

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minus Steckbrief

Steckbrief

Projekttitel

Glücksspielverhalten und Glücksspielsucht in Deutschland

Ziele

Beschreibung des Glücksspielverhaltens und damit zusammenhängender Merkmale und Indikatoren sowie glücksspielbezogener Einstellungen und Probleme in der Bevölkerung in Deutschland im Jahr 2017. Vergleich dieser Ergebnisse mit denen der vorangegangenen Glücksspielstudien der BZgA aus den Jahren 2007, 2009, 2011, 2013 und 2015.

Untersuchungsmethodik

Repräsentativbefragung der 16- bis einschließlich 70-Jährigen Bevölkerung (Querschnittsbefragung).

Verfahren der Datenerhebung

Computergestützte Telefoninterviews (CATI)

Auswahlverfahren

Kombinierte Befragung über Festnetz- und Mobilfunkanschluss
(„Dual Frame“-Auswahlrahmen) mit Höherquotierung der 16- bis 25-Jährigen (n = 3.225);
Festnetz: Mehrstufige Zufallsstichprobe auf Basis des ADM-Telefonstichproben-Systems im Haushalt, „Geburtstagsmethode“;
Mobil: Mehrstufige Zufallsstichprobe (Personenstichprobe) auf Basis des 2005 von der Arbeitsgemeinschaft Stichproben des ADM aufgebauten und jährlich aktualisierten Auswahlrahmens für Mobiltelefonie.

Ausschöpfung

48,8 % (Festnetzstichprobe) und 36,0 % (Mobiltelefonstichprobe)

Stichprobengröße

Insgesamt: 11.503, Festnetz: 8.049 (70,0%), Mobilfunk: 3.454 (30,0%).

Befragungszeitraum

28. April bis 19. Juli 2017

Interview­programmierung, Stichproben­beziehung, Daten­erhebung, Gewichtung

Forsa:
Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH

Studienplanung, Daten­analyse und Bericht­erstattung

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln
Referat 2-25
Autoren: Markus Banz, Peter Lang


minus Zusammenfassung

Hintergrund. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat im Jahr 2017 die sechste Repräsentativbefragung zum Glücksspielverhalten sowie zu glücksspielbezogenen Einstellungen und Problemen in der Bevölkerung in Deutschland durchgeführt (n = 11.503). Die Studien haben eine Monitoringfunktion, indem sie regelmäßig die Epidemiologie der relevanten Aspekte des Glücksspiels in Deutschland erfassen. Zudem liefern sie Informationen über den Kenntnisstand in der Bevölkerung zu Aufklärungsmaßnahmen der BZgA im Bereich der Prävention von Glücksspielsucht.

Wurden in den ersten Studien 16- bis 65-Jährige einbezogen, reicht die Altersspannweite der Befragten seit der Erhebung 2015 von 16 bis 70 Jahre. Um eine möglichst hohe Repräsentativität der Daten zu erhalten, wurde die Telefonstichprobe wie schon im Jahr 2013 mit einem „Dual Frame“-Ansatz realisiert, d. h., es wurden sowohl über einen Festnetz- als auch über einen Mobilfunkanschluss erreichbare Personen einbezogen.

Glücksspielprävalenzen. Basierend auf der Erhebung von Verhaltensdaten zu insgesamt 24 verschiedenen Formen des Glücksspiels (=Spiel mit Geldeinsatz, dessen Ausgang überwiegend durch Zufall bestimmt ist) haben 75,3 % der 16- bis 70-jährigen Befragten Glücksspielerfahrung, also irgendwann im Leben schon einmal an einem Glücksspiel teilgenommen. Bei den männlichen Befragten sind dies 77,8 %, bei den weiblichen 72,7 %. Die Lebenszeitprävalenzen der meisten angegebenen Glücksspiele und damit auch die Glücksspielerfahrung insgesamt sind gegenüber 2015 signifikant zurückgegangen (2015: 77,6 %, 2017: 75,3 %), wobei dieser Rückgang fast ausschließlich auf den Rückgang bei den Männern (um 4,4 Prozentpunkte) zurückzuführen ist.

In den letzten zwölf Monaten vor der Befragung haben 37,3 % mindestens ein Glücksspiel gespielt. Auch auf diesen Zeitraum bezogen sind es deutlich mehr männliche als weibliche Personen (41,4 % vs. 33,0 %). Dies gilt, mit Ausnahme einzelner Lotterien (u. a. Sofort-, Fernseh- und Klassenlotterien) und Pferdewetten für alle Glücksspiele. Im Jahr 2017 bleibt die Teilnahme an irgendeinem Glücksspiel im Vergleich zu den Vorerhebungen erstmals stabil: Betrug diese im Jahr 2007 noch 55 %, so sank diese in den darauf folgenden Erhebungen bis 2015 sukzessive auf 37,3 % und liegt aktuell in 2017 ebenfalls bei 37,3 %. Bei den Prävalenzen einzelner Glücksspieltypen gibt es nur marginale Veränderungen. Lediglich die 12-Monats-Prävalenz bei den Zusatzspielen (Spiel77 und Super 6) ist signifikant um 1,2 Prozentpunkte gesunken und dafür die Prävalenz beim Eurojackpot um ebenfalls 1,2 Prozentpunkte (jedoch nicht signifikant) angestiegen.

Weitere differenzierte Analysen bei den Jugendlichen und 18- bis 20-jährigen Männern zeigen im Altersgruppenvergleich eine signifikante Abnahme, an irgendeinem Glücksspiel teilgenommen zu haben. Dies ist bei den Jugendlichen auf eine signifikante Abnahme bei Lotterien insgesamt von 1,9 % in 2015 auf 0,4 % in 2017 zurückzuführen (wobei die Abnahme bei den Sofortlotterien um 1,4 Prozentpunkte den größten Anteil ausmacht). Bei den 18- bis 20-Jährigen geht die Abnahme auf den signifikanten Rückgang bei Sportwetten insgesamt um 3,6 Prozentpunkte zurück (wobei hier die signifikante Abnahme bei den Oddset-Spielangeboten um 2,3 Prozentpunkte den größten Anteil ausmacht). Trotz dieses Rückganges weist die Gruppe der 18- bis 20-Jährigen immer noch die höchste Prävalenz bei Sportwetten auf.

Bezogen auf „Grauzone“ Sportwetten ist die Teilnahme bei jungen Männern im Jahr 2017 im Vergleich zu 2015 erstmals gesunken: Bei den 18- bis 20 Jährigen hat sie sich fast halbiert (von 12,8 % auf 6,8 %) und liegt so wieder in etwa auf dem Niveau der Jahre 2011 und 2013. Die Teilnahmequote 2017 bezogen auf „Grauzone“ Sportwetten in der Gruppe der 18- bis 20 Jährigen ist noch einmal höher, wenn ein Migrationshintergrund vorliegt (18-20 jährige Männer insgesamt: 6,8 %; 18-20 jährige Männer mit Migrationshintergrund: 12,3 %).

Glücksspielanzahl insgesamt. Knapp jeder fünfte aller Befragten (19,9 %) hat im Survey 2017 angegeben, im zurückliegenden 12-Monats-Zeitraum nur ein Glücksspiel gespielt zu haben, 9,8 % haben zwei oder drei und weitere 7,6 % vier und mehr Glücksspiele gespielt. Dies entspricht in etwa den Verhältnissen im Glücksspielsurvey 2015. Der Anteil der Mehrfachspielenden ist unter den männlichen Befragten deutlich höher als unter den weiblichen (20,4 % vs. 14,3 %).

Spielhäufigkeiten: Auch im Jahr 2017 ist ‚seltener als einmal im Monat gespielt’ die relativ zu den anderen Spielfrequenzkategorien von allen Befragten am häufigsten genannte Kategorie. Männliche Befragte weisen dabei eine höhere Spielfrequenz auf als weibliche (mehrmals monatliches Spielen: 17,3 % vs. 8,5 %).

Spielorte/Bezugswege. Der Anteil, der über Lotto-Annahmestellen gespielten Glücksspiele (nur Angebote des Deutschen Lotto- und Totoblocks) beträgt im Jahr 2017 25,0 %. Es folgen privat organisierte Glücksspielorte (6,0  %), die Teilnahme an Glücksspielen über das Internet (5,5 %) und über die Bank oder Post (4,4 %). Deutlich geringere Anteile entfallen auf Spielbanken (1,6 %) sowie, jeweils nur Geldspielgeräte betreffend, auf Gaststätten, Imbissbuden etc. (1,4 %) und Spielhallen (1,4 %). Entsprechend der analogen 12-Monats-Prävalenzen fast aller Glücksspiele im Jahr 2017 bleibt auch die Nutzung der Spielorte bzw. Zugangswege relativ konstant.
Geldeinsätze und eingesetzte Zahlungsmittel. 13,2 % der Befragten geben bis zu 10 Euro monatlich für Glücksspiele aus. Pro Monat investieren 14,1 % 10 bis 50 Euro, weitere 4,4 % zwischen 50 und 100 Euro und 4,3 % über 100 Euro. Männliche Befragte setzen allen sechs Glücksspielsurveys der BZgA zufolge häufiger höhere Geldbeträge ein, als weibliche. Gegenüber den vorangegangenen Erhebungen haben sich die mittleren monatlichen Geldeinsätze für das Glücksspiel insgesamt kaum verändert.

Problematisches und pathologisches Glücksspielverhalten. Wie auch in den vorangegangenen Befragungen der BZgA zum Glücksspielverhalten wird mit der South Oaks Gambling Screen (SOGS) ein international verbreitetes Verfahren zur Klassifizierung des Schweregrades glücksspielassoziierter Probleme bzw. Symptome eingesetzt. Bei den Jugendlichen kommt wiederum eine altersangepasste Version des Instruments zur Anwendung. Die Befragung 2017 kommt für die 16- bis 70-Jährigen bevölkerungsweit auf eine Schätzung der 12-Monats-Prävalenz des pathologischen Glücksspiels von 0,31 % (männliche Befragte: 0,55 %, weibliche: 0,06 %) und des wahrscheinlich problematischen Glücksspiels von 0,56 % (männliche Befragte: 0,64 %, weibliche: 0,47 %). Gegenüber der Befragung 2015 finden sich damit nur geringe, statistisch nicht signifikante Verschiebungen zwischen problematischem und pathologischem Spielverhalten. Am stärksten mit glücksspielassoziierten Problemen belastet erweisen sich im Jahr 2017 Männer mit einer Quote von 3,84 % bei den 21- bis 25-Jährigen und 2,44 % bei den 18- bis 20-Jährigen. Der Anteil Jugendlicher mit problematischem Glücksspielverhalten ist gegenüber 2015  von 0,37 % auf 0,63 % angestiegen. Dies ist auf einen Anstieg bei den Jungen zurückzuführen; im Jahr 2017 ist bei keinem der befragten Mädchen ein problematisches Glücksspielverhalten festzustellen. Die 2017 ermittelten Gesamtquoten für problematisches bzw. pathologisches Glücksspielverhalten liegen im Bereich vergleichbarer in Deutschland durchgeführter Studien. Männliches Geschlecht, ein Alter bis 25 Jahre, ein niedriger Bildungsstatus und ein Migrationshintergrund erhöhen das Risiko für mindestens problematisches Glücksspielverhalten. Wird die Nutzung verschiedener Glücksspielformen betrachtet, finden sich beim „Kleinen Spiel“ in der Spielbank und bei Internet-Casinospielen die höchsten Risiken. Als mindestens problematisch glücksspielend klassifizierte Befragte finden sich (bei der kombinierten Betrachtung der Erhebungen 2015 und 2017) signifikant am häufigsten unter Personen, die in den letzten 12 Monaten das „Kleine Spiel“ in der Spielbank (21,1 %), Internet-Casinospiele (18,4 %), Bingo (12,3 %), Geldspielautomaten (10,5 %), Oddset-Spielangebote (9,8 %) oder Keno (9,6 %) gespielt haben. Dagegen sind Personen mit mindestens problematischem Glücksspielverhalten relativ selten unter den Lotteriespielenden vertreten (2,1 %).

Irrationale Einstellungen und Überzeugungen. Im Jahr 2017 hat sich unter den Befragten in Deutschland, die in den letzten 12 Monaten mindestens ein Glücksspiel gespielt haben, das Ausmaß an irrationalen Einstellungen zum Glücksspiel, gemessen mit der Gambling Attitudes and Beliefs Scale (GABS), gegenüber 2015 signifikant verbessert. Sowohl bei männlichen und weiblichen Befragten ist der GABS-Wert gesunken, wobei das Absinken bei den weiblichen Befragten signifikant ist. Bei männlichen und jüngeren Befragten (insbesondere Jugendlichen) sind diese Einstellungen, wie auch in vorangegangenen Erhebungen, stärker ausgeprägt als bei weiblichen und älteren. Es besteht ein positiver Zusammenhang mit dem Ausmaß des Problemspielverhaltens. In Bezug auf einzelne Glücksspiele ergeben sich bei Internet-Casinospielen sowie jegliche Form von Sport- und Spielbankangeboten die höchsten GABS-Skalenwerte.

Glücksspielnutzung Jugendlicher/Jugendschutz. Der Anteil der 16- und 17-jährigen Jugendlichen, die in den letzten 12 Monaten vor der Befragung an irgendeinem Glücksspiel teilgenommen haben, ist 2017 erneut weiter zurückgegangen, von 18,2 % im Jahr 2015 auf 15,3 % im Jahr 2017. Dasselbe trifft auf gewerbliche Glücksspiele zu (ohne privat organisiertes Glücksspiel), deren Anteil von 14,6 % im Jahr 2015 auf 11,0 % im Jahr 2017 abgenommen hat. Nach einem deutlichen zwischenzeitlichen Anstieg im Jahr 2011 war der Anteil der befragten Jugendlichen, die an Geldspielautomaten spielen, bereits seit dem Jahr 2013 zurückgegangen auf 2,6 % und verbleibt auch 2017 ungefähr auf diesem Niveau (2,3 %). Als statistisch signifikant und nennenswert erweist sich lediglich der Rückgang bei der Gesamtbetrachtung aller angebotenen Lotterien außer Lotto 6 aus 49, Sofortlotterien und Eurojackpot welche gesondert betrachtet werden (zusammengefasste Variable „Lotterien insgesamt“: 2015: 1,9 %, 2017: 0,4 %). Von Jungen werden, wie schon in der Befragung 2015, höhere monatliche Geldbeträge eingesetzt als von Mädchen.

Wahrnehmung von Informationsangeboten zum Thema Prävention von Glücksspielsucht sowie Einstellungen und Wissen zu gesetzlichen Regelungen. Informationsangebote über verschiedene Medien zu den Gefahren des Glücksspiels haben im Jahr 2017 fast durchweg eine geringere Reichweite erlangt wie im Jahr 2015. Lediglich die Informationsreichweite über das Internet hat leicht zugenommen. Bei den Informationsangeboten der BZgA, in denen auf Gefahren des Glücksspiels aufmerksam gemacht wird, sind bei drei der fünf Angebotsformen ebenfalls leichte Rückgänge zu verzeichnen, auch wenn dies nicht so deutlich wie in den anderen Informationsformen der Fall ist. Die Wahrnehmung des Internetangebotes „Check Dein Spiel“ und der Telefonberatung befindet sich auf demselben Niveau wie in 2015. Auch die Bekanntheit von Hilfeeinrichtungen zum Thema Glücksspielsucht wie Beratungsstellen oder die allgemeine Bekanntheit eines Beratungstelefons die von 2007 bis 2015 sukzessive zunahmen, haben im Jahr 2017 zum Teil signifikant an Bekanntheit eingebüßt: Im Jahr 2017 kennt dennoch fast ein Viertel der Bevölkerung eine solche Beratungsstelle und 10 % eine solche Telefonnummer. Weiterhin hat die Medienwahrnehmung in der Bevölkerung in Deutschland nach einem längeren Zeitraum der Zunahme (die bis zum Jahr 2013 angehalten hat) in der Bevölkerung erneut abgenommen: Im Jahr 2017 haben noch 29,1 % das Thema ‚Glücksspielsucht’ in den Medien wahrgenommen (2013: 37,7 %). Signifikant zugenommen hat die persönliche Einschätzung der Befragten, die angegeben haben mindestens eher gut zu diesem Thema informiert zu sein, obwohl das Interesse an der Thematik im Vergleich zur letzten Befragung insgesamt gesehen signifikant abgenommen hat. Die Zustimmung in der Bevölkerung zu gesetzlichen Regelungen des Glücksspiels (Spielverbot für Jugendliche, Verbot des Glücksspiels im Internet) ist im Jahr 2017 gegenüber 2015 annähernd gleich hoch geblieben. Die Auffassung, dass staatliche Aufsicht und Kontrolle des Glücksspiels notwendig sind, hat signifikant zugenommen (2015: 85,3 %, 2017: 87,1 %).

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