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25.06.2008
Rauchfrei: Ärztliche Kurzintervention ist wirksam!

 

Gemeinsame Pressemitteilung der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS), der BARMER und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

Die gesetzgeberischen Maßnahmen zur Reduzierung des Tabakkonsums greifen langsam. Dennoch wird zu viel geraucht. Gesundheitlich gefährdet sind besonders die abhängigen Raucher. Sie können in den meisten Fällen nicht ohne Hilfe von außen aufhören. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von körperlichen Erkrankungen aufgrund des Rauchens, die allein im Jahr 2006 zu 42.348 vorzeitigen Todesfällen in Deutschland geführt hat. Das durchschnittliche Alter der an Langenkrebs Gestorbenen lag bei 69,5 Jahren und damit um sieben Jahre niedriger als das durchschnittliche Todesalter. Die Behandlung allein der Folgeerkrankungen kostet Milliardenbeträge.

Etwa 35 % der männlichen und 25 % der weiblichen Patienten in Arztpraxen rauchen Tabak. Annähernd zwei Drittel dieser Gruppe haben nicht die Absicht, das Rauchen aufzugeben. "Der Ärzteschaft kommt bei der Beratung zum Nichtrauchen eine Schlüsselrolle zu. Der ärztliche Ratschlag stellt für den Patienten oftmals die zentrale Motivation dar, mit dem Rauchen aufzuhören. Wir möchten Ärzte ermutigen, konsequent und regelmäßig Raucherinnen und Raucher anzusprechen. Die ärztliche Kurzintervention ist eine gut investierte Zeit, denn "steter Tropfen höhlt den Stein“, so Dr. Rüdiger Meierjürgen, bei der BARMER Ersatzkasse zuständiger Dezernent für die Prävention. Die BARMER Ersatzkasse bringt - zusammen mit der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen und unterstützt durch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung - ein neues Selbsthilfemanual „Ich rauche. Ich rauche nicht. Ich werde…“ auf den Markt. Insbesondere Ärzten wird damit Material an die Hand zu geben, welches sie an ihre rauchenden Patientinnen und Patienten weitergeben können.

„Bei diesem Manual bauen wir auf die bewährten Ausstiegsmotivationen, wie sie auch im Bereich der Motivation zum Ausstieg aus dem Alkoholkonsum eingesetzt werden“, so Rolf Hüllinghorst, der Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). Dass dieser Ansatz auch Rauchern und Raucherinnen hilft, zeigen die Ergebnisse des Greifswalder Forschungsprogramms „Gesundheitsberatung durch Hausärzte“: Die Befragung der Patienten nach zwei Jahren ergab, dass nach lediglich zehnminütiger Beratung durch den Hausarzt 21% der Patienten nicht mehr rauchten. Dr. Christian Meyer: „Die Motivierung rauchender Patienten durch den Hausarzt unterstützt nachhaltig den Weg ins rauchfreie Leben.“

„Ein solches Selbsthilfemanual muss eingebunden werden in eine Kampagne“, so die Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Prof. Dr. Elisabeth Pott. Hierzu bietet sich die Kampagne „rauchfrei“ der BZgA an, die ein weites Spektrum an Informationen vorhält, wie den Leitfaden zur Kurzintervention bei Raucherinnen und Rauchern. Hinweise zu Gesprächsführung und Interventionstechniken mit rauchenden Patientinnen und Patienten und die konkreten Schritte der Intervention durch die Ärzte werden vermittelt.

Trotz allen guten Materials und dem Bemühen, Ärztinnen und Ärzte zu motivieren, ihre rauchenden Patienten anzusprechen, gibt es in diesen Bereichen Probleme. Viele Ärzte sind für den Umgang mit Rauchern und Raucherinnen nicht ausgebildet. Es gibt eine wachsende Zahl unterschiedlicher Angebote zur Raucherentwöhnung. Sie sollten besser vernetzt werden. So könnten Mediziner gut auf Raucherentwöhnungskurse verweisen.

(Diese Pressemitteilung können Sie als PDF-Datei herunterladen)


Stellungnahme von Frau Prof. Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Mit ärztlicher Hilfe zum Nichtrauchen

Der ärztliche Rat, mit dem Rauchen aufzuhören, ist oft der entscheidende Anstoß für Raucherinnen und Raucher, den Rauchverzicht zu wagen. Ob dieser Versuch erfolgreich verläuft, hängt nicht zuletzt auch davon ab, wie viel Unterstützung und begleitende Beratung zum Rauch-Stopp von ärztlicher Seite angeboten werden kann wird.

Das bisherige Beratungsverhalten zum Rauchverzicht von Seiten der Ärzteschaft soll weitergestärkt werden. Deshalb hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Zusammenarbeit mit der Bundesärztekammer einen Beratungsleitfaden zur ärztlichen Kurzintervention bei Raucherinnen und Rauchern entwickelt. Grundlage dafür sind zahlreiche Studien, die nachweisen, dass schon eine kurze gezielte Beratung durch den Arzt wirksam ist und einen deutlichen Einfluss auf den Erfolg beim Rauchverzicht hat.

Ärzte stehen in einem engen Vertrauensverhältnis zu ihren Patientinnen und Patienten. Sie werden als wichtiger Ratgeber geschätzt. Bei Arzt-Patienten-Kontakten bieten sich daher sehr gute Möglichkeiten, Raucherinnen und Raucher zu motivieren, mit dem Rauchen aufzuhören.

Mit dem Leitfaden sollen Ärztinnen und Ärzten Wege aufgezeigt werden, wie sie das Thema Nichtrauchen aktiv zum Gegenstand des ärztlichen Beratungsgesprächs machen können. Dafür erhalten sie zahlreiche praxisnahe Hinweise und Tipps, mit denen sie ihre Patienten erfolgreich auf dem Weg zur Rauchfreiheit begleiten können. Hierzu gehören Anregungen zur systematischen Anamnese des Rauchverhaltens des jeweiligen Patienten, die Darstellung grundlegender Techniken der Gesprächsführung zur Förderung der Änderungsbereitschaft und konkrete Beratungsstrategien für unterschiedliche Patientengruppen. Der Bogen spannt sich von Patienten, die noch nicht den Vorsatz gefasst haben, mit dem Rauchen aufzuhören, bis hin zur Unterstützung von Patienten, die bereits mit dem Rauchen aufgehört haben. Bei Letzteren soll das Risiko eines Rückfalls in die alten Rauchgewohnheiten verhindert werden.

Zur Abrundung und Ergänzung des ärztlichen Beratungsgesprächs enthält der Leitfaden eine Reihe an Arbeitsmaterialien und Patienteninformationen, die kostenlos bei der BZgA bestellt werden können.

Wer viele Zigaretten pro Tag geraucht hat und über lange Zeit Nikotin konsumiert hat, den hat die Zigarettenabhängigkeit oft stärker im Griff. Diesen Personen fällt es oft schwerer, auf das Rauchen zu verzichten. Hier sollten die Ärzte besonders gut informieren, wie die Nikotinsucht am Besten überwunden werden kann, und ihre professionelle Hilfe beim Rauchverzicht anbieten. Denn die Chance für einen erfolgreichen Rauchausstieg steigt deutlich, wenn auch professionelle Hilfe und Rat in Anspruch genommen wird.

Der Leitfaden zur Kurzintervention bei Raucherinnen und Rauchern ist Teil eines umfassenden Angebots der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung an Unterstützungs- und Hilfemaßnahmen beim Rauchverzicht. Mit dem telefonischen Beratungsangebot, dem Ausstiegsprogramm im Internet, Kursangeboten und weiteren umfangreichen Informationsmaterialien bietet die BZgA ganz unterschiedliche, ergänzende Ausstiegshilfen, auf die im ärztlichen Beratungsgespräch hingewiesen werden kann.  

Die Telefonberatung der BZgA zur Nikotinentwöhnung steht unter der Telefonnummer 01805/31 31 31 zum bundesweit einheitlichen Tarif von 14 Cent pro Minute (aus dem deutschen Festnetz; ggf. davon abweichender Mobilfunktarif) zur Verfügung und bietet von Montag bis Donnerstag von 10:00 bis 22:00 Uhr und von Freitag bis Sonntag von 10:00 bis 18:00 qualifizierte Beratung zum Rauchausstieg.

Unter der Internetadresse www.rauchfrei-info.de hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) jetzt ein umfangreiches Informationsangebot zur Förderung des Nichtrauchens Online geschaltet. Kernstück des Internet-Angebotes der BZgA ist ein Programm zur Nikotinentwöhnung. Das Programm begleitet aufhörwillige Raucherinnen und Raucher über einen Zeitraum von bis zu 4 Wochen lang auf ihrem Weg zum Nichtrauchen.

Mit den ergänzenden Maßnahmen und Angeboten steht ein effektives Beratungssystem zur Verfügung, das auch die häufig eng gesteckten zeitlichen Rahmenbedingungen in der ärztlichen Praxis berücksichtigt.

Grundsätzlich ist der ärztliche Rat zum Rauchverzicht bei allen rauchenden Patienten angebracht und die positiven Effekte des Nichtrauchens sind bei den Patienten schnell wahrnehmbar. Denn nach dem Rauch-Stopp beginnt der Körper sofort mit der Schadensbeseitigung. Erste Vorteile des Nichtrauchens stellen sich schon nach kurzer Zeit ein: Bereits etwa 20 Minuten nach der letzten Zigarette gleichen sich Herzschlagfrequenz und die Körpertemperatur derjenigen des Nichtrauchers an. Etwa 8 Stunden dauert es, bis sich das mit dem Zigarettenrauch aufgenommene giftige Kohlenmonoxid in der Blutbahn verflüchtigt und lebensnotwendigem Sauerstoff Platz gemacht hat.

Ärztliche Beratung zum Nichtrauchen ist wirksam und unverzichtbar. Es ist zu hoffen, dass auf der Grundlage des Beratungsleitfadens, den ergänzenden Materialien und mit Unterstützung der Ärzteschaft, ein gesellschaftlicher Wandel erreicht werden kann, in dem das Rauchen die Ausnahme und das Nichtrauchen die Regel ist.

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Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist eine Fachbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit.