23.11.2011
Gesund aufwachsen in Marzahn-Hellersdorf
Auf dem Weg zur Präventionskette
Andrea Möllmann, Gesundheit Berlin-Brandenburg
Schlagwörter: Aktionsraum Plus, Eltern, Partnerprozess, Prävention
Im Rahmen der Berliner Initiative Aktionsräume plus führt Gesundheit Berlin-Brandenburg seit Herbst 2010 das Modellvorhaben „Gesund aufwachsen in Marzahn-Hellersdorf“ mit einer Laufzeit von drei Jahren durch. Ziel ist der Aufbau einer Präventionskette nach dem Vorbild der Stadt Dormagen, jedoch angepasst an die Rahmenbedingungen und bestehenden Strukturen in Nord-Marzahn/ Nord-Hellersdorf. Von der Schwangerschaft an bis zum Eintritt ins Berufsleben sollen die Kinder und Jugendlichen bessere Startchancen und Zukunftsperspektiven erhalten als bisher. Wie ein roter Faden ziehen sich die Themen „Elternkompetenzen stärken“ und „bereichsübergreifende Zusammenarbeit ausbauen“ durch das gesamte Projekt. Gefördert wird das Modellvorhaben durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und - aufgrund der maßgeblichen Beteiligung des Regionalen Knotens Berlin - durch die Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz und die Arbeitsgemeinschaft der gesetzlichen Krankenkassen und Krankenkassenverbände. Die Alice Salomon Hochschule in Hellersdorf ist wichtiger Kooperationspartner, wenn es um die Evaluation bestimmter Module und die fachliche Einordnung geht. Mit dem Modellvorhaben beteiligt sich der Bezirk auch am Partnerprozess „Gesund Aufwachsen für alle!“ des Kooperationsverbunds „Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten“.
Die Lebensphase rund um die Geburt
Einer der Schwerpunkte des Modellvorhabens ist die Lebensphase rund um die Geburt. Mit seinen etwa 2000 Geburten pro Jahr und steigenden Kinderzahlen unter sechs Jahren verfügt der Bezirk über gut, aber regional unterschiedlich ausgebaute Versorgungs- und Unterstützungsangebote für Schwangere und junge Familien mit kleinen Kindern. Sogar bei der ab 2013 geltenden Betreuungsplatzgarantie für Kinder ab einem Jahr steht Marzahn-Hellersdorf besser dar als viele andere Berliner Bezirke. Gleichzeitig lebt im Bezirk der höchste Anteil an (sehr) jungen Müttern und an Alleinerziehenden. In manchen Bezirksregionen leben fast 70 Prozent der Kinder unter sechs Jahren in Familien, die Hartz IV beziehen. Eine der großen Herausforderungen ist es, Eltern in schwierigen Lebenslagen in dieser Phase tatsächlich zu erreichen und bedarfsgerechte Unterstützungsangebote für werdende und junge Familien in ihrem Wohnumfeld auszubauen - und zwar nachhaltig.
Wichtige Handlungsfelder rund um die Geburt
Folgende Fragen stehen im Mittelpunkt des Modellvorhabens „Gesund aufwachsen in Marzahn-Hellersdorf“:
- Welchen Bedarf haben Eltern in schwierigen Lebenslagen in dieser Phase?
- Über welche Ressourcen verfügen sie, die zur Unterstützung genutzt werden können?
- Und wie realisiert man eine wirkungsvolle Zusammenarbeit der bestehenden Angebote, wie z.B. Angebote der Schwangerenvorsorge durch Hebammen und Gynäkologen, dem Ersthausbesuch durch den Kinder- und Jugendgesundheitsdienst sowie den Familienbildungsangeboten der Einrichtungen im Stadtteil?
- Wie entwickelt man unter Fachkräften aus unterschiedlichen Bereichen und mit unterschiedlichen professionell geprägten Blickwinkeln ein gemeinsames Verständnis über Qualität im Bereich der frühen Förderung?
Weitere wichtige Handlungsfelder beziehen sich auf den Übergang in die Kita und die Verbesserung der finanziellen und materiellen Situation von werdenden und jungen Familien.
Gemeinsam mit den lokalen Akteuren vor Ort und mit Vertretern aus Gesundheits- und Jugendamt wird zunächst in der Bezirksregion Hellersdorf-Nord die Präventionskette für die Phase „rund um die Geburt“ auf den Weg gebracht. Hier kann an bestehende Strukturen angeknüpft und gute Ansätze und Initiativen aufgebaut werden. Die Ergebnisse dieses Prozesses werden so aufbereitet, dass sie sich mit ihren Qualitätsanforderungen auf andere Bezirksregionen und Bezirke Berlins übertragen lassen.
Wünsche und Bedarfe rund um die Geburt
Um die Richtung für den gemeinsamen Veränderungsprozess zu bestimmen, wurde in einem ersten Schritt die Sicht der Eltern eingeholt. Insbesondere Alleinerziehende, junge Mütter und Eltern mit Migrationshintergrund wurden nach ihren Wünschen und Bedarfen befragt. Gleichzeitig interessieren Ressourcen, die von Eltern wahrgenommen werden und Anknüpfungspunkte für erfolgreiche Unterstützung bieten. Die Ergebnisse werden im Rahmen einer Fachtagung am 5. Dezember in der Alice Salomon Hochschule präsentiert. In der Bezirksregion Hellersdorf-Nord werden diese Ergebnisse noch einmal vertiefend mit den lokalen und bezirklichen Akteuren ausgewertet und für den Aufbau der Präventionskette genutzt. Um an den Qualitätserfordernissen für eine Präventionskette rund um die Geburt zu arbeiten, hat der Regionale Knoten Berlin im Rahmen des Modellvorhabens das Qualifizierungsangebot „Werkstatt rund um die Geburt“ entwickelt. Anfang 2012 wird die Werkstatt zunächst mit den Akteuren aus Hellersdorf-Nord durchgeführt. Die Qualifizierung soll im weiteren Verlauf auch in anderen Bezirksregionen und Bezirken umgesetzt werden.
Zur Stärkung von Elternkompetenzen hat das Modellvorhaben mit der Etablierung des gut evaluierten Good Practice-Programms „Eltern-AG“ (Weitere Informationen unter: www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/good-practice/eltern-ag) in enger Kooperation mit dem Gesundheits- und Jugendamt des Bezirks einen weiteren Meilenstein gesetzt. Das Angebot für sozial benachteiligte Eltern wird künftig in allen sechs Bezirksregionen des Aktionsraumsplus umgesetzt. Zurzeit lassen sich zwölf Fachkräfte zu Eltern-AG-Mentoren qualifizieren. Angebunden ist die Eltern-AG an die Kinder- und Jugendhilfezentren, die in jeder Bezirksregion vertreten sind. In Hellersdorf-Nord starten im November und Dezember dieses Jahres die ersten Eltern-AGs für die Phase rund um die Geburt.



